„Die Biophilie ist die leidenschaftliche Liebe zum Leben und allem Lebendigen; sie ist der Wunsch, das Wachstum zu fördern, ob es sich nun um einen Menschen, eine Pflanze, eine Idee oder eine soziale Gruppe handelt.“
Erich Fromm
Biophilie ist der Titel einer Werkgruppe die Jutta Haeckel für die Ausstellung bei boa-basedonart erschaffen hat. Unbeabsichtigt hat die Düsseldorfer Künstlerin mit diesem Titel nicht nur ihren Werken Namen gegeben, sondern auch ihre eigene künstlerische Herangehensweise beschrieben.
Die vielschichtigen, visuell herausfordernden Gemälde Jutta Haeckels scheinen auch zu wachsen, lebendig zu sein, sie prosperieren im Auge des Betrachters ebenso wie während ihres Entstehungsprozesses. Wie alles Lebendige sind sie einer steten Veränderung unterworfen, und so wird die Rezeption ihrer Arbeiten zu einem transformativen Vorgang, die dem Betrachter ein einzigartiges kognitives Erlebnis gewährt. Dieses Erleben wird verstärkt durch den dreidimensionalen Charakter der Bilder. Zerklüftete, pastöse oder glatte Farbflächen interagieren mit rudimentär gegenständlichen Strukturen, die an Architekturen, Landkarten, Mikroorganismen oder die Mondoberfläche erinnern, diese Strukturen werden abgelöst von Bildpartien, die plötzliche Durchblicke auf Wand und Keilrahmen erlauben. Die Künstlerin spricht hierbei von verschiedenen autonomen Systemen, die während des Schaffensprozesses zusammenwachsen.
Dieser Eindruck der Verflechtung wird verstärkt durch den Umstand, das Haeckel tatsächlich ihren Bildträger von allen Seiten bearbeit. Die autonomen Systeme, von denen Haeckel spricht, erschaffen in ihrer Interaktion eigene neue Gebilde und Phänomene. Die dadurch erwachsende Anmutung hinterlässt ein Gefühl des Unbeschreiblichen, für das Marcel Duchamp den Begriff „inframince“ erschuf. “Inframince” benennt in Bezug auf Jutta Haeckel Bilder eine Art der Wahrnehmung, die über das visuelle Verstehen hinausgeht. Das, was wir sehen, wird ergänzt mit Wissen und Imagination. Damit stellen wir dem Gesehenen eine Dimension zur Seite, die unsichtbar, aber dennoch präsent ist und untrennbar mit dem Kunstwerk verflochten.
Für die Ausstellung „chadō“ (japanisch: der Weg des Tees) wird Jutta Haeckel ihre jüngste Werkgruppe mit ausgewählten antiken Keramiken aus der Sammlung von boa-basedonart präsentieren.
Jutta Haeckel ist 1972 in Hannover geboren. Sie lebt und arbeitet in Düsseldorf.
Sie studierte Malerei am Goldsmith College, London und an der Hochschule der Künste, Bremen.
Eröffnung: 16.03.2024 17 – 20
offen 17.03. – 11.05.2024 | Do – Fr 14 -18 | Sa 12 -16 und nach Vereinbarung.