Die erste Einzelausstellung in Deutschland seit den 1980er Jahren widmen wir ganz Shirakawa’s Projekten mit regionalen Bezügen. Fahrräder mit montierten Fahnen mit den Aufschriften „Ich vergesse nie“ und „Kraft der Vorstellung“ werden von den Besuchern der Ausstellung durch die Stadt gefahren. Mit dieser Aktion im öffentlichen Raum möchte der Künstler die Stimmen, die im Getriebe der Zeit aus dem kollektiven Gedächtnis verschwunden sind, wieder wachrufen und neu reflektieren.
Im Jahr 2005 zeigte Shirakawa anlässlich einer Ausstellung in Nagano die Flaggen zum ersten Mal. Sie dienten als Erinnerung an die Zwangsarbeiter und deren Ausbeutung bei dem Bau eines gigantischen unterirdischen Bunkers gegen Ende des Pazifikkriegs. In unregelmäßigen Abständen nimmt Shirakawa das Projekt wieder auf, nämlich immer dann, wenn in den Augen des Künstlers das kollektive Vergessen droht, so zum Beispiel als Reaktion auf die große Erdbeben- und Reaktorkatastrophe 2011 in der Region um Fukushima.
Angesichts der globalen Covid-19-Pandemie hat der Künstler diese Arbeit für das Projekt Resonances of DiStances neu aufgelegt.
Im Anschluss an die Ausstellung und das Stadtraumprojekt in Düsseldorf werden die Fahrräder für 2 weitere Monate ihren Startpunkt am Kunstverein Leverkusen haben.
“Memorial Monument of Forced Displacement of Koreans in Gunma Prefecture”,
im Jahr 2014 beschloss der Kongress der Präfektur Gunma ein Denkmal in der Parkanlage Gunma no Mori zu entfernen. Erst 2004 war dieses zum Gedenken an die Zwangsumsiedlung und Zwangsarbeit von Koreanern während des Pazifikkrieges errichtet worden. Ein Gerichtsverfahren zur Sache, angestrengt von der Gründungsinitiative des Memorials, folgte und ist bis heute noch nicht beigelegt.
Als künstlerische Antwort auf diesen Versuch, das kollektive Erinnern an die Ereignisse während des Pazifikkrieges zu verhindern, schuf Shirakawa 2015 das “Memorial Monument of Forced Displacement of Koreans in Gunma Prefecture” aus Holz und Stoff. Die weichen und leichten Materialien, die an Kunstwerke von Claes Oldenburg oder Franz Erhard Walther erinnern, verleihen diesem Werk trotz seiner Größe, welche der des ursprünglichen Denkmals entspricht, einen mobilen und nachgiebigen Charakter.
Diese Installation von Yoshio Shirakawa erfuhr bisher eine wechselvolle und von Zensur geprägte Geschichte.
2017 sollte die Arbeit im Rahmen der Ausstellung “Arts of Gunma” im Präfekturmuseum Gunma ausgestellt werden. Auf politischen Druck hin wurde der Beitrag von Shirakawa zurückgezogen. Obwohl das Werk nicht gezeigt und im Ausstellungskatalog nicht publiziert wurde, erfuhr die Arbeit große mediale Aufmerksamkeit. Die sich anschließende öffentliche Diskussion führte dazu, dass diese Installation in die Ausstellung “After Freedom of Expression?“ der Aichi Triennale 2019 aufgenommen wurde. Drei Tage nach der Eröffnung der Triennale musste die Ausstellung aufgrund einer Flut von wütenden Drohungen in den sozialen Medien und physischen Angriffen auf die Kunstwerke und das Personal von rechten Gruppierungen, geschlossen werden
Exemplarisch zeigt diese Installation von Shirakawa den revisionistischen Umgang mit Geschichte und die daraus folgende Einflussnahme auf das kollektive Gedächtnis.